„Dran am echten Einsatz“ – Übungsobjekt Kämmeckenstraße

Brandgeruch liegt in der Luft, schwarze Rußfahnen ziehen sich über zwei Fenstern in unterschiedlichen Etagen an der Betonfassade entlang. Aus einem mit Sperrholz verschlossenen Kellerfenster dringt Rauch. Im brennenden Keller sind bereits die Löscharbeiten im Gange. Dicke Schläuche ziehen sich vom Tanklöschfahrzeug in den Keller des Wohnhauses, in dem seit Langem keine Mieter mehr wohnen. Der fünfgeschossige Block zwischen Schuh- und Kämmeckenstraße soll abgerissen werden. Bis dahin hat ihn die Halberstädter Wohnungsgesellschaft HaWoGe der Feuerwehr als Übungsobjekt zur Verfügung gestellt.

„Wir pflegen seit Jahren eine sehr gute und enge Zusammenarbeit“, sagt Feuerwehrchef Ingo Wetzel, „die HaWoGe unterstützt unsere Arbeit und die des Fördervereins und wir helfen mit unserem Wissen und unserer Tatkraft, wenn erforderlich.“ Solche unkomplizierte Zusammenarbeit sei nicht in allen Kommunen selbstverständlich. „Dafür sind wir wirklich dankbar.“ Auch die Wohnungsbaugenossenschaft, so berichtet es Ingo Wetzel, hatte der Wehr schon einmal einen leeres Gebäude zu Übungszwecken überlassen.

Wenn es, wie an diesem Tag, um eine möglichst realitätsnahe Ausbildung in Sachen Brandbekämpfung geht, wird vorher auch die Zentrale Leitstelle des Kreises informiert. Melden sich aufmerksame Bürger, muss kein Alarm ausgelöst werden. Auch wenn Qualm aus Wohnungen oder Kellerfenstern dringt. Der hat inzwischen seine graue Farbe gegen ein helles weiß getauscht, sichtbares Zeichen, dass die Kameraden zum Brandherd vorgedrungen sind und löschen. Wenig später liegt die Holzplatte, die die leere Fensteröffnung verschlossen hat, auf der Wiese vor dem Haus, die Kameraden haben das Fenster geöffnet.

Auch wenn plötzliche Sauerstoffzufuhr durchaus gefährliche Reaktionen des Feuers hervorrufen kann, ist das erstmal eine Standardprozedur. Denn im Keller staut sich die Wärme und um die belastende Hitze zu senken, hilft es, das Fenster zu öffnen. Immerhin sind in den kleinen Kellerräumen schnell 300 bis 400 Grad Celsius erreicht. Die Hitze ist eine Sache, die Dunkelheit in engen Kellern, die zudem meist noch zugestellt sind, eine andere Herausforderung für die Feuerwehrmänner.

„Wir üben hier ein Standardvorgehen, das bei fast jedem Brandereignis angewandt wird“, erklärt Ingo Wetzel, „die Abläufe können die meisten Männer der hauptberuflichen Wachbereitschaft im Schlaf.“ Aber dennoch zeigen sich bei den Übungen oft kleine Dinge, die man besser machen kann. Außerdem sei es gut, wenn die jungen Kollegen so etwas mehr Einsatzroutine gewinnen. Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr können leider das Objekt derzeit nicht nutzen – ihre Übungs- und Ausbildungsabende sind wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. Die Berufsfeuerwehr hingegen nutzt das Gebäude nicht nur zur Übung von Löscheinsätzen. So wurde vor einigen Tagen die Höhenrettung von Personen trainiert oder auch die verschiedenen Möglichkeit, im Ernstfall Wohnungstüren zu öffnen.

Die Handgriffe trainieren dabei immer die selben Gruppen, denn wegen der Pandemie hat die Hauptberufliche Wachbereitschaft ihre Dienststruktur umgestellt. Nicht nur, das die Wache nur noch von den Mitarbeitern betreten werden darf, auch innerhalb der Schichten ist kein Wechsel mehr möglich. „Falls in einer Gruppe ein Covid-Fall auftritt, muss nur eine Schicht in Quarantäne und nicht die komplette Mannschaft der Wache“, erläutert Ingo Wetzel.

Zu verschärften Hygieneregeln kommen Notfallpläne, in die auch die freiwilligen Kameraden einbezogen sind. Denn auch auf den Fall, dass doch mehr als eine Schicht ausfällt, will die Wehr vorbereitet sein.

Text/Bild: Sabine Scholz / Volksstimme

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