Es hat in Emersleben vor der Gründung einer gut organisierten, leistungsfähigen
Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1897 verschiedene Formen des Feuerschutzes gegeben.
Hinweise darauf finden sich in der Chronik von Emersleben, geschrieben von Lehrer Robert
Wennig im Jahre 1912.
"Als Rittergutpächter war 1824 Amtmann Lucannus hier und
nach ihm als letzter Pächter des Grafen Borcke Amtmann Rosentreter, der mit der Gemeinde
fortwährend in Unfrieden lebte. 1834 knüpfte der Graf mit dem Stadtrat Heuer, dem
Bruder des Justizrates, Verhandlungen an wegen Verkaufs des Gutes. Ehe dieser Verkauf zustande
kam, wurde zwischen Gut und Gemeinde Emersleben am 28. Januar 1835 ein Vergleich geschlossen,
wonach das Rittergut aus dem Kommunalverbande ausschied. Das Gut zahlte jährlich 4 Taler
zu den Feuerlöschgeräten und die Gemeinde Emersleben übernahm für 4 Taler
die Gutsarmen."
Brände und besondere Naturereignisse zwangen die Emerslebener
Bürger sich entsprechend zu rüsten. Aber all diese Hilfe war eher eine zufällige
und wenig organisiert und von daher auch wenig wirksam. Häufige Mißerfolge an der
Brandstelle sowie die immer geringer werdende nachbarliche Löschhilfe führten bei
vielen Emerslebenern zu der Überzeugung, daß zur Leitung und zur Arbeit auf Brandstellen
Kenntnisse und Fertigkeiten gehörten, die - wie jede Arbeit - erlernt und erworben werden
müssen.
1897 kam es deshalb zu Verhandlungen zwischen Gemeinde und dem Gutsbezirk.
Anderweitige Regelungen der Verhältnisse des Feuerlöschverbandes Emersleben standen
auf der Tagesordnung einer Ratsversammlung am 16. Juni 1897. Namentlich ging es hierbei vorrangig
um die Verteilung der Kosten zwischen Gemeinde und dem Gutsbezirk.
Im Protokoll der am
19. Juni 1897 stattgefundenen Ratsversammlung ist festgehalten:
"Die früheren
Vereinbarungen des Feuerlöschverbandes Emersleben stehen mit den jetzt hinsichtlich des
Feuerlöschwesens bestehenden Bestimmungen nicht im Einklang. Es war deshalb anderweitige
Regelung erforderlich und ist ein neues Statut vereinbart, welches der Versammlung vorgelegt
wurde. Während das Gut früher zur Unterhaltung der Feuerlöschgerätschaften
einen jährlichen Beitrag von 12.- Mark zahlte, werden nach der neuen Vereinbarung
sämtliche Kosten, auch die jenigen für Leistungen der Handdienste, von welchen
das Gut sonst befreit war, nach Gabe des Steuerverhältnisses getragen und zwar der halben
Einkommens- und der vollen Gewerbesteuer.
Die Verwaltung des Feuerlöschverbandes
soll durch den Verbandsausschuß geschehen, welcher aus 5 Mitgliedern besteht. Die
von 3 der Gemeinde angehören sollen, und der Gutsbesitzer 2 Stimmen führe bzw.
sich in Ausübung dieses Stimmrechts vertreten lassen kann."
Während im
übrigen die Versammlung sich mit dem Status einverstanden erklärt, wünscht
sich die Vertretung des Verbandes dahin geregelt, daß der Verbandsausschuß aus
6 Mitgliedern bzw. Stimmen besteht.
Die Zahl der Mitglieder bzw. Stimmen soll sich
nach den jeweiligen Beitragsverhältnissen der Gemeinde und des Gutes regeln.
Der Versammlung wurde das Statut der Freiwilligen Feuerwehr mitgeteilt, dieselbe erteilt zu
dem Statut ihre Einwilligung mit der Maßgabe, daß die durch Einrichtung und
Unterhaltung der Feuerwehr und die sonstige Unkosten nicht von der Gemeinde, sondern von dem
Feuerlöschverband Emersleben zu tragen sind.
Bei auswärtigen Bränden hält
es die Versammlung in Abweichung von den Bestimmungen des Statuts für besser, wenn die
Bezahlung der Mannschaften nicht nach Stunden, sondern wie seither mit einem festen Betrag
von 2,- Mark pro Mann erfolgt.
Da für die Bedienung der Spritze und des Wasserwagens
14 Mann erforderlich sind, so empfiehlt es sich, der Feuerwehr für die Leistung
der Hilfe bei einem jeden auswärtigen Brand den festen Betrag von 28,- Mark aus der
Verbandskasse zu zahlen. Zur Beschaffung der Ausrüstung bewilligt die Versammlung die
Zahlung des Betrages von 450,- Mark an die Verbandskasse.
Vorsitzender des Feuerlöschverbandes
wurde der Schulze Jäger.
Mit der Bestätigung des Statuts erfolgte auch die
offizielle Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Emersleben.
Die erste in Emersleben eingesetzte Handdruckspritze wurde für 1500,- Mark von der Firma
BRÄUNERT aus Bitterfeld geliefert.
Dem Aufbau eines
Schlauchturmes auf dem
Spritzenhaus stimmte der Gemeinderat am 29. Mai 1928 zu.
Am 24. September
ist dieser fertiggestellt.
Ein wichtiges Ereignis in der Entwicklung der Emerslebener Wehr war die Beschaffung einer
Kleinmotorspritze der Firma E.C. Flader in Jöhnstadt. Diese Motorspritze hatte eine
Förderleistung von 400 L / Min.
Die Finanzierung dieser 4000.- RM
teuren Spritze erfolgte wie folgt:
Im Juni 1930 wird die Beschaffung folgender Gegenstände für die Freiwillige Feuerwehr Emersleben beschlossen:
Der Schlauchwagen soll teilweise aus alten, in der Gemeinde vorhandenen Material erbaut werden.
Für den Preis von 100.- RM wurde der Schlauchwagen am 31.07.1930 vom Feuerwehrdepot
in Halberstadt gekauft.
Am 01.01.1929 hatte die Wehr einen Mitgliederstand von 44
uniformierten Männern.
Mit der Veröffentlichung des "Preußischen Feuerlöschgesetzes" im
Jahre 1933, veränderten sich nicht nur die Uniformen der Berufs- und Freiwilligen
Feuerwehren.
Die Form des Rockes wurde verändert und an der schwarzen Tuchhose wurde
eine karmesinrote Biese getragen. Der Helm erhielt die Form des Stahlhelms und mußte
entweder aus Leder oder Ganzmetall gefertigt sein.
Das gesamte Feuerlöschwesen wurde
verstaatlicht und auf eine neue Grundlage gestellt. Diese Eingliederung wurde mit der Verleihung
des Hoheitsabzeichens an die Feuerwehren besiegelt.
Unter der Überschrift "
Feuerwehralarm in Emersleben" erschien am 27. September 1934 in der Halberstädter
Zeitung ein Bericht über die Durchführung der Feuerschutzwoche.
Auszug: "In
unserer Gemeinde wurde die Feuerschutzwoche in der vorgeschriebenen Form durchgeführt.
Sonntag den 23. September, nahm sie ihren Ausklang durch folgende Veranstaltungen:
Um 09.10 Uhr trat die Feuerwehr zum Kirchgang an. Nach dem Gottesdienst trat die Feuerwehr
am Kriegerdenkmal an. Mit einer kurzen markigen Ansprache gedachte der Ortsbrandmeister AHRENS
den auf dem Felde der Ehre gebliebenen Kameraden und legte namens der Feuerwehr einen Kranz
nieder. Nachmittags 03.00 Uhr ertönte plötzlich Feueralarm. Im schnellsten Tempo
eilten die Feuerwehrmänner zum Spritzenhaus und bereits 03.10 Uhr standen die
Feuerwehrmänner mit den Spritzen und Geräten marschbereit. Zunächst ging es
zum Schützebplatz, wo unter dem Kommando der Ortsbrandmeister Ahrens und Dippe die
Exerzierübungen mit und ohne Gerät stattfanden. Um 04.00 Uhr mitten im
Feuerwehrexerzieren plötzlich Feueralarm im Orte, die Schäfereigebäude des
Rittergutes standen in Brand (Annahme). In 5 Minuten war die Feuerwehr zur Stelle und nach
weiteren vier Minuten gab bereits die Handdruckspritze an einer Schlauchleitung Wasser, gleich
darauf auch die Motorspritze an zwei Schlauchleitungen.
Nach der Feuerwehrübung
erfolgte unter den Klängen des Trommler- und Pfeiferkorps unseres Schützenvereins
ein Umzug durch das festlich, mit Hakenkreuz- und schwarzweißroten Fahnen sowie mit
Spruchbändern geschmückte Dorf. Der Abend war der Geselligkeit gewidmet. Im Gasthaus
"Zur guten Hoffnung" versammelte sich nicht nur die Feuerwehr, sondern auch
zahlreiche Gäste."
Der zweite Weltkrieg hat auch in der emerslebener Wehr tiefe Wunden hinterlassen. Bei der
sinnlosen Zerstörung von Halberstadt am 8. April 1945 mußten die Wehrmänner
gegen das Flammeninferno, besonders im Bereich des Bahnhofs einen ungleichen Kampf führen.
Trotz der großen Probleme, vor der jede Familie täglich stand, fanden sich von Anfang
an Männer, die bereit waren dem Gemeinwohl zu dienen.
Nicht nur der Brandbekämpfung
und Hilfeleistung hatten sie sich verpflichtet, Feuerwehrsport und Kameradschaftspflege waren
ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit.
Hervorragende Ergebnisse konnten sie in verschiedenen
Disziplinen bei Feuerwehrvergleichswettkämpfen im Kreis erringen.
Nach den Feuerlöschgesetzen der ehemaligen DDR bestand die Aufgabe der Feuerwehren nicht
nur im abwehrenden Brandschutz und in der Hilfeleistung bei Unglücksfällen, sondern
auch im vorbeugenden Brandschutz hatten sie als fachkundige Einrichtungen mitzuwirken. Dieses
umfangreiche Aufgabengebiet mußte von immer weniger ganztägig zur Verfügung
stehenden Wehrmännern erfüllt werden.
Die Konzentration der Arbeit in großen
Kombinaten und Volkseigenen Betrieben und dem damit einhergehenden Untergang von kleineren
Handwerksbetrieben in den Gemeinden, stellten die Feuerwehren bei der Gewährleistung
einer ständigen Einsatzbereitschaft vor enorme Probleme.
Aus dieser Not wurde eine Tugend.
Die Feuerwehren, bisher eine fast ausschließliche Domäne des männlichen
Geschlechts, öffnete sich auch den Frauen. Von den 24 Aktiven der Wehr leisteten immerhin
10 weibliche Angehörige ihren Beitrag zur Gefahrenabwehr und zur vorbeugenden Aufklärung
der Bevölkerung vor Brandgefahren.
Wehrleiter Kamerad Helmut Lehmann konnte mit Recht
stolz sein auf seine "gemischte Truppe."
Seit 1997 verfügt die Ortsfeuerwehr Emersleben
über ein neues Gerätehaus. Es beherbergt 2 Einstellplätze für Einsatzfahrzeuge sowie einen Schulungsraum und einen
Raum für die
Jugendfeuerwehr
Bei der Planung wurde versucht ein Gebäude zu
entwickeln, dass sowohl der Funktion als auch dem städtebaulichen und gestalterischen
Aspekt Rechnung trägt.
Anläßlich des 100jährigen Bestehens am
12. Juli 1997 erfolgte die
Übergabe des Gebäudes
die neue
Fahne der Ortsfeuerwehr
durch Kreisbrandmeister H.-J. Dreikant geweiht.
Zahlreiche Brände und andere Ereignisse mußte die Emerslebener Wehr in ihrer
100jährigen Geschichte bekämpfen.
An dieser Stelle sollen zwei der wohl
bedeutendsten Brandereignisse wiedergegeben werden.
1. Brandbericht Nr. 4c / 80
Unter dieser Tagebuch-Nummer wird am 23.März 1980 festgehalten:
01.58 Uhr Wohnhausbrand in Emersleben. FF Groß Quenstedt und Emersleben im Einsatz. Löschhilfe Kommando Feuerwehr Halberstadt erforderlich. Wachabteilungsleiter Klut mit LF 16, TLF 16, SW 14 und NA 3 ausgerückt. Brand wurde gemeldet von Frau Jerxen. Groß Quenstedt. |
02.03 Uhr |
Krankentransport und Energieversorgung erforderlich. |
02.18 Uhr |
1. Lagemeldung von Oberleutnant Klut: |
02.33 Uhr |
2. Lagemeldung von Oberleutnant Klut: |
02.56 Uhr |
3. Lagemeldung von Oberleutnant Klut: |
04.10 Uhr |
A-Dienst, Oberleutnant Meyer K.-H. meldet: |
04.30 Uhr |
Schlußmeldung, Oberleutnant Klut: |
13.25 Uhr |
Schlußmeldung, A-Dienst: |
2. Brandbericht Nr. 53 / 1991
Brand des ehemaligen Gutshofes (Storchennest) am 13. März 1991
19.15 Uhr |
|
Der Leitstelle wird der Brand des Storchennestes in Emersleben gemeldet. Keine weiteren
Angaben. (Es wurde davon ausgegangen, daß tatsächlich ein "Storchennest",
auf einem Dach brannte. Die Bezeichnung für den Gutsturm war nicht bekannt.) |
19.17 Uhr |
Nach dem mehrere Meldungen eingingen, wurde der genaue Sachverhalt dargestellt und für die Freiwillige Feuerwehr Halberstadt der 3. Alarm ausgelöst. |
19.23 Uhr |
TLF 16, TLF 8/24 und LF 16 ausgerückt. FF Emersleben und Groß Quenstedt waren im Einsatz. |
19.42 Uhr |
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1. Lagemeldung, BAR Böer: |
20.22 Uhr |
2. Lagebericht, BAR Böer: |
21.20 Uhr |
3. Lagemeldung, BAR Böer: |
00.10 Uhr |
|
4. Lagemeldung, BAR Böer: |
00.20 Uhr |
|
Schlußmeldung, BAR Böer: |