
Nachdem der seit dem Jahre 1814 hierselbst bestehende Feuerrettungsverein, welcher die Rettung von Menschen und Effekten aus
den in Brand geratenen Gebäuden zum Zwecke hat, in der am 14. Oktober gehaltenen Generalversammlung für die ausgeschiedenen
Mitglieder neue gewählt hat, so besteht nunmehro dieser so nützliche Verein aus 33 Mitgliedern, deren jedem ein
zuverlässiger Träger beigeordnet ist.
Halberstadt, den 9. November 1837
Der Bürgermeister v. Brünken
In zwei Anzeigen des "Intelligenzblattes" vom 2. Oktober 1852 wird der Notschrei der Abgebrannten nach Wiedererlangung ihrer
Habseligkeiten deutlich.
Es heißt darin:
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| Schrecken einer Feuerstbrunst am 19. August 1840 in der Kühlinger Straße. Hier wurden 5 Häuser in Schutt und Asche gelegt. Nachgezeichnet von Walther Gemm. |
"Wenn in dunkler Nacht der ruhige Bürger durch
Feuerruf aus dem Schlafe geweckt, wenn die Feuersäule, himmelhoch
anstrebend, sein Gehöft bereits erfasst hat, dann erwartet er ängstlich die Hülfe seiner Mitbürger, und diese Hülfe ist mir
von Ihnen allen, von dem Schützenverein, dem Rettungsverein, den Mannschaften des Königl. Hochl. 7. Cuirassier-Regiments und
der Löschmannschaft in so reichlichem Maße geworden; darum sage ich Ihnen allen meinen verbindlichsten Dank, und bitte
zugleich alle diejenigen, welche noch Sachen von mir in Besitz haben sollten, mir dieselben bald möglichst zu behändigen,
namentlich fehlen mir noch 7 silberne Esslöffel, 6 dergl. Theelöffel, 1 großer Suppenlöffel, Zuckersieb und Zuckerzange.
Halberstadt, den 28. September 1852
Chr. Haushahn"
"Indem ich allen diejenigen welche bei dem mich betroffenen Brandunglück mit ihrer aufopfernder Hülfe mir, so
freundlich beigestanden, besonders dem verehrlichen Feuer-Rettungs-Verein für sein umsichtiges Wirken, auf das Herzlichste
danke, bitte ich zugleich diejenigen, bei denen noch Sachen von mir geborgen sein sollten, mir gefälligst hiervon Nachricht
geben zu wollen.
Heinrich Kleye"
Im "Intelligenzblatt" vom 9. September 1852 erläßt ein gewisser Br. unter der Überschrift
"Feuer! - Feuer! - Feuer!" einen Aufruf zur Organisation des Feuerschutzes in Halberstadt.
Darin heißt es u.a.:
"Wenn die Sturmglocke in finsterer Nacht die ruhende Stadt aufschreckt, wenn vom Winde getrieben die Flammen mit
unersättlicher Gier sich von einem Gehöft zum anderen, dritten und vierten verbreiten, wenn den hart Betroffenen kaum Zeit
bleibt, den eigenen Leib zu retten, dann ihr Männer ist es Zeit zu zeigen, dass ihr zur Hülfe brüderlich bereit seid.
Doch die Kraft des Einzelnen geht unter im Gewühl, und was der Eine gut macht, verdirbt oft der andere, wenn nicht Umsicht
und gemeinsames Handeln die Kräfte vereint. Das furchtbare Schauspiel lockt der müßigen Gaffer viele herbei, je größer die
Noth, Verwirrung und Flammen, desto mehr ergötzt sich der schaulustige Haufe, doch anstatt die Hand zum leichtesten Dienste
zu leihen, stehen sie hindernd im Wege und treten die Schläuche mit Füßen. Gerettet wird Vieles, doch nicht erhalten, und
oft wäre besser, es wäre verbrannt, wovon der Eigenthümer nur Stücken, Scherben und Splitter in wilder Unordnung mühsam an
vielen Orten zusammen suchen muß. Manches auch trefflich gerettet, sehr gut erhalten und ist doch nirgends zu finden.
Das ist das Bild jener schrecklichen Stunden, welche unsere Stadt auch oft erlebt hat; ich sage erlebt hat, denn hoffentlich
wird sich von nun an das Ganze anders gestalten, nachdem so viele wackere Männer, mit Nichtachtung eigener Gefahr und
Beschwerden, sich zu löblichem Zwecke vereint und den "Feuer-Rettungs-Verein" gegründet haben. Dankend möge das Publikum
diese Verbindung ehren und sie auf jede nur mögliche Weise kräftig unterstützen. Wohl zählt sie der Mitglieder viele, doch
wäre eine noch allgemeinere Betheiligung zu wünschen, zumal da leicht der Fall eintreten kann, dass bei großer Gefahr die
Kräfte ermüden und der Ablösung bedürfen.
Die treffliche Organisation lässt eine durchgreifende erfolgreiche Wirksamkeit
mit Sicherheit voraussehen. Aus diesem Grunde ist es umgänglich nothwendig, dass die angrenzenden Straßen der Brandstätte
abgesperrt werden, und nur denen Zutritt gestattet wird, welche sich durch die äußere Abzeichnung als zur Gesellschaft
gehörig legitimieren. Es liegt im Prinzip des Rettungsvereins ebenfalls darauf zu halten, dass das Löschwesen mit der
größten Ordnung und dem besten Erfolge ausgeübt werde, damit er dadurch in seinen Bestrebungen unterstützt und nicht
genöthigt werde, um seine Funktionen nicht bis ins unbestimmte hinaus ausdehnen zu müssen, sich selbst zur Beschaffung des
Wassers zu bequemen, und die ermüdeten, erschöpften Spritzenmannschaften durch seine Leute abzulösen oder zu ergänzen.
Hieraus ist schon klar, in welch inniger Beziehung beide Anstalten zu einander stehen, und wie sie nur dann das Höchste
leisten werden, wenn beide Hand in Hand gehen; aus diesem Grunde erscheint es sehr wünschenswerth, dass auch das
Feuerlöschwesen eine durchgreifende, umfassende Reorganisation im Anschluß an den Feuer-Rettungs-Verein erführe. Es sind
besonders zwei Punkte, die einer näheren Beleuchtung bedürfen:
1. die Bedienung der Spritzen und 2. das Zubringen des Wassers.
Die Bedienung der Spritzen von eigens für diesen Zweck besoldeten Leuten scheint für den ersten Augenblick das sicherste
Mittel zu sein, nöthigen Falles sogleich die erforderlichen Arbeitskräfte zur Hand zu haben. An vielen Orten sind die
Spritzen zum Theil den Gehwerken überwiesen, und diese wetteifern mit einander in bezug auf Pünktlichkeit und Ausdauer, und
jedes Gehwerk setzt eine Ehre darin, das erste auf der Brandstelle zu sein. So viel schon verlautet, dürfte auch in unserer
Stadt der Ausführung einer solchen Einrichtung nichts im Wege stehen, und es würden damit für die gute Sache eine große
Anzahl tüchtiger Kräfte gewonnen werden, die, solange sie noch nicht dem Rettungsverein angeschlossen sind, bei den jetzigen
Stande der Dinge fast ganz verloren gehen. Was den zweiten Punkt, das Zubringen des Wassers betrifft, so ist diese
Verrichtung die beschwerlichste und scheinbar undankbarste, woher es auch kommen mag, dass sie mit so wenig Energie und
Ausdauer ausgeführt wird. Hierbei wären die müßigen Zuschauer am besten zu gebrauchen, allein kaum gezwungener Weise in die
Wassergasse eingetreten, suchen sie sich so rasch wie möglich zu entfernen. Ebenso unzureichend ist die Beschaffung des
Wassers mittels der Sturmfässer, nicht etwa deshalb, weil dazu verpflichteten Pferdebesitzer lässig wären, nein einzig und
allein infolge des Mangels an Schöpfgerätschaften und Personen, welche dazu angewiesen sind, die Kübel zu füllen.
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| Die Wasserkunst in der Gröperstraße. |
Den Knechten ist diese Arbeit am allerwenigsten zuzumuten, da sie ohnehin schon genug in Anspruch genommen werden und obendrein selten eine Anerkennung erfahren. So ist denn Wassermangel unvermeidlich und die Hauptbedingung einer Löschanstalt bleibt unerfüllt. Diesem Uebelstande kann nur dadurch abgeholfen werden, dass Personen so viel Aufopferung besitzen, sich freiwillig zu diesem wichtigen Geschäfte zu verstehen. Diese müssen dann eine besondere Abtheilung unter einem Führer bilden und ebenfalls ein äußeres Abzeichen erhalten. Vielleicht dürfen wir uns bei diesem wichtigen Geschäft der hülfreichen Handleistung der erwachsenen Zöglinge des Gymnasiums, der Gewerbe- und Realschule erfreuen. Wichtiger, als alle bisher besprochenen Umstände ist der unserer Stadt eingenthümliche Wassermangel. Die geringe Menge fließenden Wassers kommt nur dem unteren, nördlichen Stadtteile zu gute, während die übrige Stadt auf Brunnen und Wasserkunst angewiesen ist. Abgesehen davon, dass die bedeutende Tiefe der in den höheren Stadttheilen gelegenen Brunnen für das Feuerlöschwesen und zwar bei Anwendung von sogenannten Zubringern nicht eben günstig ist, wenden wir unsere Aufmerksamkeit vorzugsweise auf die Kunst. Wie gering und unzureichend ihre Leistungen sind, ist allgemein bekannt, und leider ist bei den Umständen, unter denen sie besteht und arbeitet, nämlich Mangel an Triebkraft, kein günstigeres Resultat zu erzielen. Die Einrichtung einer Dampfmaschine an ihrer Stelle würde dieser Not auf einmal ein Ende machen und außerdem dem Feuerlöschwesen außerordentliche Vorteile gewähren, insofern dann jeder aufsteigende Röhrenteil in den Straßen durch Anschraubung eines Schlauches in einen vortrefflichen Zubringer umgewandelt werden kann. Das Anlagekapital und der jährliche Bedarf an Brennmaterial scheinen jedoch von der Ausführung dieser wünschenswerten Verbesserung abzuschrecken. Was das erste betrifft, so wird man sich früher oder später doch zur Ausgabe bequemen müssen, und in betreff des letzteren ist es zu erwägen, wie mit einer besseren Einrichtung auch ein vielseitigerer Gebrauch und somit ein größerer pekuniärer Ertrag der Maschine selbst verbunden ist, wodurch sich die Heizungskosten hinlänglich decken werden; überdies bedarf ja die jetzige Maschine im Winter, um sie vor dem Einfrieren zu schützen, ebenfalls der Heizung, was bei Anwendung einer Dampfmaschine in Abrechnung gebracht werden muß.
Die Wasserkunst wurde Anfang des 16. Jahrhunderts in Halberstadt eingerichtet. Es wurden primitive hölzerne Wasserrohre
verlegt, die zum Markte führten. Das Wasser wurde der Holtemme entnommen. Ein Wehr, am Gröpertor, staute Wasser auf und von
dort floss es durch einen kleinen Graben der "Kunstmühle" zu. Innerhalb der Mühle drehte sich ein großer Wasserrad, das dass
Wasser in das Rohrnetz drückte.
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| Löschwasserkaupen vor dem Holzmarktbrunnen. |
Der Gedanke an die Errichtung einer Freiwilligen Feuerwehr entstand in Halberstadt bereits 1871. Offensichtlich fehlte es
aber an Aktivisten, die in der Lage waren diese Notwendigkeit in die Tat umzusetzen. Zwar bestand dem Namen nach schon eine
etwa 40 Mitglieder zählende "Freiwillige Feuerwehr" welche aber nicht ausreichend ausgerüstet und ausgebildet war. Die Stadt
unterhielt deshalb ein Feuerlöschcorps (Pflichtfeuerwehr). In der Polizeiverordnung für den Polizeibezirk Halberstadt
(Feuerlösch-Ordnung) vom 29. September 1874, wird dieses städtische Löschcorps vorläufig auf 450 Mann bemessen. Die
Freiwillige Feuerwehr bildete einen Teil der städtischen Feuerwehr.
Da eine Überwachung bzw. Kontrolle der bei den
Löscharbeiten beteiligten Mannschaften fast ausgeschlossen war und die Entschädigungen für Lohnausfall hoch waren, dass sie
zu den wirklichen Leistungen in keinem Verhältnis standen, wurde die Reorganisation des gesamten Löschwesens notwendig.
Besonders bei einem Großfeuer auf dem Güterbahnhof am 14. August 1874 wurden die Missstände deutlich.
Es herrschte bei
den Stadtbehörden und bei der Bürgerschaft nirgends ein Zweifel darüber, dass das Feuerlöschwesen in unserer Stadt im argen
lag, dass es nicht so bleiben konnte und das nur durch eine allgemeine Beteiligung der Bürgerschaft zufriedenstellende
Zustände herbeigeführt werden konnte.
Ein Aufruf, veröffentlicht in der Halberstädter Zeitung am 22. Oktober 1874, ist
gleichzeitig die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Halberstadt.
Aufruf !
Nach Beschluss der Stadtbehörden, soll das Feuerlöschwesen reorganisiert werden und in erster Linie eine 205 Mann starke
Freiwillige Feuerwehr gebildet werden. Derselben sind bis jetzt 86 Personen zugetreten. Hauptaufgabe der Feuerwehr ist, bei
ausbrechendem Feuer das Leben und Eigentum unserer Mitbürger zu schützen.
Soll die Freiwillige Feuerwehr bei einem etwa
ausgebrochenen Feuer zur Abwehr gerüstet dastehen, so ist dringend zu wünschen, dass sie ihre volle Stärke so schnell wie
möglich erlangt.
An unsere in jüngeren Jahren stehenden Mitbürger ergeht daher die Bitte, unser gemeinnütziges
Unternehmen durch Beitritt zur Freiwilligen Feuerwehr unterstützen zu wollen.
Anmeldungen nehmen die Unterzeichneten gern entgegen.
Halberstadt, den 20. Oktober 1874
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| Demolir-Abteilung der freiwilligen Feuerwehr zu Halberstadt. Aufgenommen am 20.Oktober 1884 anläßlich des 10jährigen Bestehens. |
Kaufmann J. Bötcher, M. Engelmann, M. Friedrich, C. Graul, A. Hahn, E. Schreiber, L. Weste, Buchbindereibesitzer W. Doelle, Mehlhändler A. Jenrich, Maler O. Kachelrieß, Zimmermeister H. Krug, Lederfabrikant P. Kühne, Gerbereibesitzer R. Marencke, Schmiedemeister F. Hoffmeister, Schlossermeister F. Soechting, Lehrer G. Struve, Fabrikant J. Wäser, L. Steinmann, O. Ziegenbein
Eine Kommission, bestehend aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, sowie der bisherigen
Freiwilligen Feuerwehr wurde gebildet. Diese beriet den Entwurf einer neuen Feuerlöschordnung. Weitere Beratungen zwischen
Vertretern der bisherigen Freiwilligen Feuerwehr und dem vom Magistrat ernannten Brandinspektor führen zu dem Beschluss, die
bisherige Freiwillige Feuerwehr aufzulösen, aus den Mitgliedern derselben sowie den zahlreich angemeldeten Einwohnern der
Stadt eine neue Freiwillige Feuerwehr zu bilden und die Leitung dem städtischen Brandinspektor zu übertragen. In Ausführung
dieses Beschlusses fand am 20. Oktober die erste Generalversammlung statt, in der die Wahl der Führer uns Stellvertreter der
einzelnen Abteilungen sowie der Rohrführer und die Bildung der Bekleidungskommission beschlossen wurde.
Unter § 3 der Statuten wurde festgelegt:
"Die Freiwillige Feuerwehr besteht aus:
Am 9. November fand die zweite Generalversammlung statt. Es wurde beschlossen:
"Für sämtliche Mitglieder der
Freiwilligen Feuerwehr Joppen von graubraunem Tuche, schwarz lackierte mit einem rothen Streifen versehene Lederhelme, sowie
schwarz und roth gestreifte Hanfgürtel, für die Mannschaften der Wassertransportabteilung schwarze Ledergürtel und für die
Führer, Steiger und Demoliermannschaften die nöthige Ausrüstung an Beilen, Aexten, Leinen, Laternen u.s.w. zu beschaffen."
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| Mannschaft sitzend auf der Pferdespritze vor dem Depot Krebsschere im Jahre 1905. |
Neben der Freiwilligen Feuerwehr wurde auch eine städtische Pflichtfeuerwehr neu gegründet. Diese bestand aus 138 Mann. Die Bekleidung bestand auch braunen Segeltuchjoppen. Nach und nach stieg die Zahl der freiwilligen und Pflichtfeuerwehrleute auf über 400 Mann an. Dabei muss man bedenken, dass allein zur Heranschaffung des Löschwassers mittels Eimerkette 140 Mann benötigt wurden. Im Jahre 1878 wurde im Hof der Höheren Töchterschule am Domplatz, wo sich auch die Spritzenhäuser und das Feuerwehrdepot befanden, der erste Steigerturm erbaut. 188o siedelte das Depot nach dem Grundstück Taubenstraße - Gröperstraße (heute bei den Spitzen) um, wo ein neues Spritzenhaus errichtet worden war. Im Sommer 1882 wurde die städtische Wasserleitung in Betrieb genommen, aus der Wassertransportabteilung wurde die Hydrantenabteilung. Am 1. Juli 1884 wurde die erste feuerwache am Rathaus eingerichtet, die von morgens bis abends durch drei Mann der Freiwilligen Feuerwehr besetzt war. Der Feuerwächter hatte eine Wachstube auf dem Martiniturm. 1890 wurde die erste mechanische Leiter mit einer Steighöhe von 15 m beschafft. 1894 wurden die Spritzenhäuser auf dem Domplatz abgebrochen und dafür das neue Feuerwehrdepot mit Steigerturm am Marstall in der Krebsschere eingerichtet.
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| Ausbildung auf dem Gelände des Depots Krebsschere im Jahre 1906. |
Auch die Gerätschaften der Pflichtfeuerwehr, welche bis dahin auf dem Hof der Oberstädtischen Volksschule standen, wurden
hierher überführt. Als die Freiwillige Feuerwehr 1899 ihr 25jähriges Jubiläum feierte, zählte sie 230 Mitglieder. Die
Pflichtfeuerwehr war inzwischen aufgelöst wurden. !905 wurde die Freiwillige Feuerwehr in vier Löschzüge eingeteilt und 1909
wurde eine "Erste Alarmbereitschaft" geschaffen. Diese bestand aus zwei Führern und sechs Mann. Sie stand für den ersten
Angriff bei Großfeuern bereit.
Zur selben Zeit wurden die ersten 9 automatischen Feuermelder angelegt, deren Zentrale
sich in der Polizeiwache befand. 1910 wurde die erste Dampfspritze und eine mechanische Leiter mit einer Steighöhe von 23
Metern beschafft. Beide aber immer noch für Pferdebespannung eingerichtet. Von den vielen Groß-, Mittel- und Kleinfeuer,
welche die Feuerwehr zu löschen hatte, sei hier nur der Brand des Schuhhofes am 3. April 1903 erwähnt.
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| Von der Berufsfeuerwehr wurde auch der Krankentransport durchgeführt. |
In den Jahren kurz vor dem 1. Weltkrieg wurde die Berufsfeuerwehr weiter vervollständigt. Ein Oberbrandmeister, ein
Brandmeister, zwei Oberfeuerwehrmänner und 14 Feuerwehrmänner wurden hauptamtlich angestellt. Verantwortlicher Leiter der
Berufsfeuerwehr war Brandmeister Dipl.-Ing. Isnenghi. Neben dem Feuerwehrdienst werden auch sämtliche Krankentransporte
ausgeführt. Der Berufsfeuerwehr oblag die gesamte Unterhaltung der Geräte, Prüfung der Feuermelder, Kontrolle öffentlicher
Gebäude auf Feuersicherheit u.s.w.. Feuersicherheitswachen für das Theater und sonstige Veranstaltungen wurden in
Gemeinschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr gestellt.
Der Weltkrieg 1914/18 unterbricht die in Aussicht genommene
Entwicklung des Feuerlöschwesens (Kraftfahrzeugbetrieb) zu einem Zeitpunkt, an dem die Schlagkraft der Feuerwehr durch die
begonnene Automobilisierung auf den zu dieser Zeit höchstmöglichen Stand gebracht werden sollte.
Die Nachwirkungen des
Krieges und die politische Zerrissenheit unseres Volkes in den Nachkriegsjahren wirkten sich leider auch bei der Freiwilligen
Feuerwehr aus. Wie alle anderen Verbände, hat auch die Feuerwehr eine Reihe von Kameraden als Opfer des Krieges verloren.
Ihrem Andenken galt eine Ehrentafel auf der Feuerwache. Der Mannschaftsbestand ging nach dem Krieg weiter zurück und
verschiedene andere Umstände ließen auch die Dienstfreudigkeit der übrigen Mitglieder erlahmen.
Die Schlagkraft und er
weitere Bestand der Freiwilligen Feuerwehr wurde dadurch ernstlich gefährdet. Die verschachtelte Bauart der meist älteren
Gebäude in der Altstadt waren dem Auswachsen dort entstehender Schadenfeuer zu Großbränden äußerst günstig. Richtig
eingeschätzt wurde, wenn keine genügend starke Löschhilfe vorhanden ist, können unter Umständen ganze Straßenzüge durch Feuer
vernichtet werden. Deshalb konnte in Halberstadt auf eine starke, gut ausgerüstete und ausgebildete Freiwillige Feuerwehr
neben der Berufsfeuerwehr nicht verzichtet werden. Von dieser Erkenntnis ausgehend, war es besonders der damalige Dezernent
des städtischen Feuerlöschwesens, Stadtrat Kapitän zur See a.D. Karl Heine, der sich der Sache der Freiwilligen Feuerwehr
annahm, als der verdiente Branddirektor Bagemihl 1933 von seinem Amt aus Gesundheitsgründen zurücktrat. Mit Zustimmung
sämtlicher Führer wurde der verantwortliche Leiter der Berufsfeuerwehr Isnenghi, auch mit der technischen Leitung der
Freiwilligen Feuerwehr betraut.
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| Eine Wachschicht der Berufsfeuerwehr Halberstadt um 1920. |
In einer Veröffentlichung der Halberstädter Zeitung vom 21. September 1934 heißt es:
"Bedauerlich ist es, dass sich im Laufe der Jahre die wirtschaftlich besser gestellten Kreise unserer Stadt fast restlos
von freiwilligen Feuerlöschdienst zurückgezogen haben. Während früher ein großer Teil der angesehensten Bürger der Feuerwehr
angehörte, sind es heute fast nur noch die minderbemittelten Kreise, die ihren Mitmenschen in Not und Gefahr beistehen und
ihr Leben und ihre Gesundheit bei Feuer- oder Wassernot für die Erhaltung des Eigentums derselben einsetzen." (Anmerkung
des Verfassers: >>Welche Parallelen zur heutigen Zeit!<<)
Im Jahre 1934 dürfte Halberstadt in bezug auf Zahl und Güte der Feuerlöschgeräte unter den Städten der Provinz Sachsen an
erster Stelle gestanden haben. Die Feuerwehr verfügte u.a. über:
2 Automobilspritzen von 1.500 und 1.800 Liter Wasserlieferung je Minute
2 Anhängemotorspritzen von je 1.000 Liter je Minute
1 tragbare Motorspritze von 400 Liter je Minute
1 Automobil-Drehleiter mit Luftschaumpumpe, 26 Meter Steighöhe
1 vierrädrige Drehleiter für Schleppzug, 22 Meter Steighöhe
2 mechanische Schiebeleitern für Handzug mit 12 bzw. 15 Meter Steighöhe
1 automobiler Gerätewagen
1 automobiler Mannschaftswagen
1 Anhängegerät für chemischen Schaum
1 automobilen Rüstwagen mit Herausleger
2 automobile Krankentransportwagen.
Im Jahr 1934 musste die Feuerwehr Halberstadt bei folgenden Ereignissen tätig werden:
1 Großfeuer, 6 Mittelfeuer, 33 Kleinfeuer, 11 blinde Alarme, 5 böswillige Alarme, 28 Hilfeleistungen,
1 nachbarliche Löschhilfe.
Die beiden Krankenwagen rückten aus: 1.031 Stadtfahrten, 101 Überlandfahrten.
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| Luftschutzübung der Feuerschutzpolizei im Jahre 1938 auf dem Gelände der Gaswerke Halberstadt. |
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialistischen Partei (NSDAP) im Jahre 1933, begann zielstrebig die Vorbereitung des II.
Weltkrieges. Auch das gesamte Feuerlöschwesen wurde in diese Vorbereitung einbezogen. Bereits im Dezember 1933 wurde das
Feuerlöschwesen, zunächst in Preußen durch die Veröffentlichung des "Preußischen Feuerlöschgesetzes" vereinheitlicht und auf
eine neue Grundlage gestellt. Die Feuerwehren wurden den Ortspolizeiverwaltern unterstellt und zu einer Polizeiexekutive für
besondere Aufgaben gemacht. Die Eingliederung in den nationalistischen Staat wurde mit der Verleihung des Hoheitsabzeichens
an die Feuerwehren besiegelt. Das oberste Ziel im "Gesetz über das Feuerlöschwesen" vom 23. November 1938, bestand in der
Schaffung einer straff organisierten, vom Führerprinzip geleiteten, reichseinheitlich gestalteten, von geschulten Kräften
geführten Polizeitruppe (Hilfspolizeitruppe) unter staatlicher Aufsicht. Die Einteilung in Berufs-, freiwillige und
Pflichtfeuerwehren wurde aufgehoben. Die bisherige Berufsfeuerwehr wurde zur Feuerschutzpolizei.
Ein wesentlicher
Grundgedanke dieser Neuorganisation bleibt die freiwillige Leistung des Feuerlöschdienstes. Es wurde voll anerkannt, dass
ohne die freiwilligen Helfer die Aufgaben des Feuerlöschwesens nicht zu lösen sind. Die Freiwillige Feuerwehr Halberstadt
hatte zu dieser Zeit eine Stärke von 150 Mann. Sie war in drei Löschzüge und eine Altersabteilung gegliedert. Die Freiwillige
Feuerwehr wurde eine technische Hilfspolizeitruppe unter staatlicher Aufsicht für Hilfeleistungen und bei öffentlichen
Notständen aller Art. Sie war eine gemeindliche Einrichtung und hat im Auftrag des Ortspolizeiverwalters (Bürgermeister)
Gefahren durch Schadensfeuer abzuwehren und Luftschutzaufgaben durchzuführen. Am Sonntag, den 19. Mai 1940 erfolgte auf dem
Sportplatz an den Spiegelsbergen, die Vereidigung der Freiwilligen Feuerwehr auf den Führer des Deutschen Reiches.
Mit der
Ausbildungsvorschrift für die Feuerwehren, Polizeidienst-Vorschrift Nr. 23 (PVD 23), wurde 1939 eine einheitliche Gliederung
des Löschzuges festgelegt. Durch die neue Ausbildung des "Einheitsfeuerwehrmannes) wurde die aus den Anfangszeiten des
Feuerwehrwesens stammende Einteilung der Feuerwehr in Steiger-, Spritzen-, Demolier-, Wasser- und Absperrabteilung und die
damit verbundenen einseitige Ausbildung überwunden. Die Berufs- und Freiwillige Feuerwehr der Stadt Halberstadt mussten nach
dem Gesetz eine taktische Einheit bilden.
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| Eine Wachschicht der Feuerschutzpolizei (Berufsfeuerwehr) Halberstadt 1938. |
Die Freiwillige Feuerwehr Halberstadt stellte für den Stadtkreis Halberstadt
auch gleichzeitig den Kreisfeuerwehrverband dar. Zum Kreiswehrführer wurde der Leiter der Berufsfeuerwehr Dipl.-Ing. Isnenghi
durch den Regierungspräsidenten ernannt. Diese Funktion übernahm nach ihm der Brandingenieur Schönwald.
Zum Aufgabengebiet
der Feuerwehren gehörte auch die Anlage von Brunnen, Zisternen und Löschteichen zur Löschwasserversorgung und deren Prüfung
auf Ergiebigkeit. Durch das Luftschutzgesetz vom 26.6.1935 war u.a. ein Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) eingerichtet worden.
Unter Berücksichtigung der eigenen Aufgaben wurde das Personal für den Feuerwehrdienst von der örtlichen Feuerwehr gestellt.
Von besonderer Bedeutung war während des Krieges auch in Halberstadt die Bereitstellung der notwendigen Mannschaft. Um
dieses Defizit auszugleichen, wurde auch die Hitler-Jugend zum Feuerwehrdienst herangezogen.
Die
Hitlerjugendfeuerwehrscharen im Hitler-Jugend-Streifendienst (so die offizielle Bezeichnung) unterstanden beim Übungsdienst
und praktischen Einsatz dem Feuerwehrführer.
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| Die Berufsfeuerwehr Halberstadt im Jahre 1963. |
Einen Monat nach der sinnlosen Zerstörung einer der ältesten und sicher auch schönsten deutschen Städte am 8. April 1945 war
der zweite Weltkrieg beendet.
Die Feuerwehr Halberstadt stand vor einem Trümmerhaufen. Ein großer Teil der Fahrzeuge,
Geräte und des Schlauchmaterials war den Brandbomben der Anglo-Amerikaner zum Opfer gefallen. Die Feuerwache in der
Krebsschere war vollständig zerstört worden. Damit war die Berufs- und Freiwillige Feuerwehr ohne Gerätehaus. Die
nichtzerstörte Feuerwache der ehemaligen Junkers-Werke bot zumindest eine gute Unterkunft für die Feuerwehr.
Die Situation
bei Kriegsende und die sich abzeichnenden politischen Ereignisse, führten zu einer wesentlichen Schwächung der Feuerwehren.
Nach 1945 wurde viele ehemalige Angehörige der Berufsfeuerwehren und der Freiwilligen Feuerwehren, wegen ihrer
"Vergangenheit" entlassen. Der bisherige Leiter der Berufsfeuerwehr Halberstadt Schönwald wurde Leiter der Polizei. Die
Leitung der Berufsfeuerwehr übernahm Herr Keiger.
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| Feuerwache ehemalige Junkerswerke 1960. |
Die wirtschaftlichen Probleme in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)
erschwerten die Arbeit der Feuerwehren sehr. Auszugsweise ein Rundschreiben der Landesregierung von Sachsen-Anhalt:
Landesregierung Sachsen-Anhalt Halle/Saale, den 16.12.1949, Ministerium des Innern, Landesbrandschutzamt.
Rundschreiben Nr. 113
An sämtliche Brandschutzämter und die Landesfeuerwehrschule
Betr.: Einschränkung des Kraftstoffverbrauchs infolge geringer Zuteilung. Zwecks Kraftstoffersparnis wird mit sofortiger
Wirkung angeordnet, dass Tagübungen mit motorisierten Geräten nicht mehr abgehalten werden dürfen.
i.A. gez. Kohlmann, Kommandeur
Bereits 1949 wurde in der SBZ eine Zentralisierung des Brandschutzes angestrebt. Die bis dahin bestehenden länderspezifischen
Unterschiede bei den Feuerwehren wurden durch Dienstanweisungen der DVI (Deutsche Verwaltung des Innern) für die SBZ
einheitlich festgelegt. Die in der sowjetischen Zone angeordnete Zentralisierung des operativen Einsatzes der Feuerwehren
hatte auch für die Stadt Halberstadt Konsequenzen. Am 14. Februar 1949 erfolgte die Übergabe der Berufsfeuerwehr Halberstadt
an das Land Sachsen-Anhalt.
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| Einsatzübung auf dem Fischmarkt 1964. |
Im Rahmen einer kurzen Feierstunde, wurde die aus 28 Mann bestehende Berufsfeuerwehr aus dem
Stadtverband Halberstadt ausgegliedert und durch die Landesregierung übernommen. Oberbürgermeister Bordach und Stadtrat
Wendel würdigten die gute Arbeit der Wehr. Landesbrandschutzdirektor Müller, der die Wehr für das Land Sachsen-Anhalt
übernahm, betonte, dass die Halberstädter Berufsfeuerwehr zwar klein an Zahl, aber mustergültig in jeder Beziehung sei.
Das neugebildete Stadtbrandschutzamt Halberstadt bekam die Kreisämter der Kreise Oschersleben, Wernigerode und
Blankenburg mit 144 Wehren und 142 motorisierten Geräten zugeteilt. Auch die Betriebs- und Freiwilligen Feuerwehren der Stadt
und der Kreise unterstanden dem Brandschutzamt Halberstadt.
Mit der Ausgliederung der Berufsfeuerwehr Halberstadt aus dem
Stadtverband und die damit verbundene Angliederung an die Polizei war die Wehr fortan der Hauptabteilung Feuerwehr, der
Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei unterstellt und damit Bestandteil des Sicherheits- und Ordnungssystems der DDR.
Die Führung der Polizei war bemüht, die eigenständige Rolle der Feuerwehr zu verdrängen. Der Krankentransport wurde wieder
ausgegliedert und dem DRK übergeben. Die Feuerwehrangehörigen erhielten einen militärischen Dienstgrad. Von den schwierigen
Lebensverhältnissen in den Nachkriegsjahren berichtet folgendes Gedicht:
In Erwartung
Die ganze Belegschaft insgesamt
vom Halberstädter Stadtbrandschutzamt
ist in Erwartung schon fürwahr
bereits seit über einem Vierteljahr
auf den neuen Tarif der Feuerwehr,
der soll bringen Verbesserungen mehr und mehr.
Er wurde notwendig, da die Feuerwehren sind übergegangen
auf das Land, so dass hat angefangen
eine Wandlung im gesamten Brandschutzwesen,
eine neue Struktur, wie sie ist noch nie da gewesen.
Verkündet wurde uns aus berufenem Mund,
Einzelheiten, die Gültigkeit sollen haben ab der Stund
da dieser Tarif wird treten in Kraft,
doch dauert es lange, ehe dies ist geschafft.
Was soll er uns nun alles Gutes bringen?
Es wurde gesprochen bereits von vielerlei Dingen.
Das wichtigste von allem ist das Gehalt natürlich,
dass für jeden Einzelnen soll erhöhen sich.
Das Gehalt, dass wir bekommen für unsere Arbeit als Lohn,
es hat sich inzwischen etwas erhöht zwar schon.
Vom LBA (Landesbrandschutzamt) wurde geschaffen eine Zwischenlösung,
denn gezahlt wurde nach Tarif IG 15, doch nur in Anlehnung.
Das zweite wichtigste Problem ist die Magenfrage,
über die ausgiebig diskutiert wird fast an jedem Tage.
Unsere Belegschaft bekommt allerdings schon
täglich mittags zusätzlich eine Ergänzungsportion
lt. Befehl 234, doch Gruppe B ist es nur
von einer Zuweisung von Fleisch und Fett daher keine Spur.
Wenn zu Mittag die kräftige Suppe wird geholt von Heine,
dann ist es bestimmt nicht einer alleine,
der sehnsüchtig denkt, schön währe es ja,
wenn wir jetzt essen könnten nach Befahl 234 A,
der uns soll zustehen nach dem neuen Tarif,
doch eben leider erst, wenn er wird aktiv.
Eine Bockwurst oder ein kleines Stück Braten,
dass könnte gut noch in unseren Magen hinein geraten.
Noch eine Hilfe wurde uns bereits zu teil,
die schafft zu verbessern unser Magenheil.
Es ist das monatliche Zusatzpaket,
das einkaufen jeder gern nach dem Konsum geht.
Auch in der Lebensmittelkartengruppe sollen wir steigen,
ob wir die "I" noch erhalten, wird sich jedoch erst zeigen.
Noch andere Dinge sollen sich verbessern für alle,
doch wann werden wir hierüber Bescheid kommen von Halle?
Unser Urlaub sei hier besonders noch genannt,
der mehr werden soll, wie uns ist schon bekannt.
Es ist auch eine Aufstockung der Belegschaft vorgesehen,
denn nur mit 30 Mann kann es auch so nicht weitergehen.
Darüber währe unsere Leitung bestimmt sehr froh,
da sie uns ja bringen will auf ein höheres Niveau.
Und noch eins ist zu beachten, was ist es enorm,
wir sollen alle erhalten eine neue Uniform.
Man sieht, in dem neuen Tarif der Feuerwehr
sind viele Punkte verbessert sehr.
Er enthält höhere Pflichten aber auch neue Rechte für jeden,
darüber sich lohnt, so ausgiebig zu reden.
Doch wann wird das wohl alles Gültigkeit haben,
so dass wir uns der Vergünstigungen können laben?
Vorläufig soll der Tarif, lt. Bescheid vom LBA
noch liegen in Karlshorst zur Genehmigung bei der SMA (sowjetische Militäradministration).
Wir wollen jedoch hoffen, dass die längste Wartezeit ist vorbei
und bald die Nachricht kommt, dass der Tarif genehmigt sei.
Einer für Alle
(Verfasser unbekannt / vermutlich Gerda Kirmes / zum damaligen Zeitpunkt Sekretärin im Stadtbrandschutzamt Halberstadt)
Durch die Verwaltungsreform 1952 kam es zur Aufhebung des Status quo ante unserer Stadt als kreisfreie Stadt. Im Ergebnis
dieser Reform wurde der Kreis Halberstadt gebildet. Bei allen Volkspolizei-Kreisämtern wurden sodann Abteilungen Feuerwehr
gebildet und die noch bestehenden Kommandos Feuerwehr personell weiter verstärkt. Anfang der 50er Jahre beginnt die
Ausrüstung der Feuerwehren mit genormten Löschfahrzeugen aus DDR-Produktion. Es sind Löschfahrzeuge vom Typ H3A der VEB
Fahrzeugwerke "Ernst Grube" in Wildau. Ab 1953 wurden Löschfahrzeuge LF-TS8 vom Typ Granit 30K im VEB IFA-Lastwagen- und
Motorenwerke in Zittau produziert. Ab 1968 prägen zunehmend Feuerwehrfahrzeuge des Typs W50 des VEB IFA-Automobilwerke
Ludwigsfelde, das Bild der Feuerwehren.
1962 erfolgte der Umzug in das als "Kreislöschbereitschaft" neuerrichtete Gebäude in der Theaterstraße.
In den 70er und 80er Jahren war die Abteilung Feuerwehr mit dem Kommando Feuerwehr (Berufsfeuerwehr) hinsichtlich spezieller
Aufgaben im Brandschutz sowohl für die Stadt als auch für den Landkreis Halberstadt zuständig. So rückte das Kommando
Feuerwehr mit seinem Löschzug sowie Spezialtechnik in den Landkreis Halberstadt und auf Anforderung in die angrenzenden
Landkreise aus. Für besondere brandgefährdete Objekte wurden Einsatzpläne erstellt, die auch die Alarmierungsreihenfolge
enthielten.
Eine besondere Bedeutung wurde in diesen Jahren der staatlichen Kontrolltätigkeit auf dem Gebiet des
vorbeugenden Brandschutzes in Industrie, Handel, Verkehr und Landwirtschaft zugeschrieben. Durch Instrukteure der Abteilung
Feuerwehr und besonders ausgebildeten Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren wurden diese Brandschutzkontrollen organisiert
und durchgeführt. Die Massenkontrollen in Wohnstätten wurden regelmäßig zur Brandschutzwoche im Oktober durchgeführt. Das
vorbeugende Gespräch bei diesen Kontrollen kam bei den Bürgern gut an. Eine gute Arbeit leisteten die Feuerwehrangehörigen
ebenso auf dem Gebiet der Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung bei Kindern und Jugendlichen. Die in den Schulen
gebildeten Arbeitsgemeinschaften "Junger Brandschutzhelfer" wurden in der Regel durch Feuerwehrangehörige angeleitet.
Die
Brandstatistik der damaligen Jahre zeigt, dass die Bemühungen zur Erhöhung der Brandsicherheit und der dabei erreichte Stand
nicht zu unterschätzen sind.
Ausgezeichnete Leistungen erbrachten die Angehörigen des Kommandos Feuerwehr Halberstadt auch
bei sportlichen Ausscheiden auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene in den Disziplinen Löschangriff, 100m-Feuerwehrstaffette und
4x100m-Feuerwehrstaffette. Bei der Bestenermittlung der Kommandos Feuerwehr im Bezirk Magdeburg waren die Halberstädter oft
an der Spitze zu finden.
Nach dem Willen des Ministeriums des Innern der DDR sollten weitere Kommandos Feuerwehr
(Berufsfeuerwehren) aufgelöst werden. So auch die beiden Kommandos in Halberstadt und Wernigerode. In erster Linie wegen der
miserablen wirtschaftlichen Lage und in Unterschätzung der tatsächlichen Situation vor Ort wäre zum 31.12.1989 das Kommando
in Halberstadt aufgelöst worden und die gesamten Aufgaben dann der Freiwilligen Feuerwehr übertragen worden. Weder waren die
Wehrmitglieder darauf vorbereitet, noch verfügte die Wehr über die personellen und materiellen Voraussetzungen. Fachleute vor
Ort, haben davor gewarnt, dass mit dieser unsinnigen Maßnahme das Sicherheitsniveau für die Bevölkerung und Einrichtungen der
Stadt und des Landkreises wesentlich sinken wird.
Der Sommer 1989 leitete das letzte Kapitel der Feuerwehren in der DDR ein. Die sich von Tag zu Tag zuspitzende politische Situation und die wirtschaftliche Lage erforderten Veränderungen, die durch die Veranstaltungen und Zusammenkünfte der Bürgergruppen zum Ausdruck gebracht worden sind. Das gesamte Sicherheits- und Ordnungssystem der Staatsführung wurde aufgeboten, um diesen Forderungen energisch und gewaltsam Einhalt zu bieten. Es bestand die Gefahr, dass auch die Feuerwehren in dieses Unterdrückungssystem eingebunden und ihrem humanistischen Grundanliegen zuwider, gegen Menschen eingesetzt werden könnte. Die Polizeiführung wollte Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr als Wasserwerfer gegen Bürger einsetzen. Um dies zu verschleiern wurde der Befehl ausgegeben, den Schriftzug FEUERWEHR auf den Fahrzeugen abzukleben. In Ermangelung geeigneter Materialien wurde dafür Tapete und Heftpflaster verwendet. Zum Glück kam es in Halberstadt nicht zum Einsatz dieser Fahrzeuge. In der Wendezeit begann ein wechselvoller, ereignis- und entscheidungsreicher Abschnitt. In dieser Zeit des Umbruches gab es viele neue Ideen, Gedanken und Vorschläge. So gab es Vorstellungen, dass Prinzip "Rettung aus einer Hand" umzusetzen, in dem Feuerwehr, Rettungsdienst, Leitstelle und Feuerwehrtechnische Zentrale am Standort der Feuerwehr Halberstadt untergebracht werden sollten. Diese, sicher mit vielen räumlichen Problemen verbundene Zusammenlegung endete mit dem Um- und Neubau der Feuer- und Umweltwache Halberstadt. Verantwortliche des damaligen Landkreises Halberstadt waren an einer gemeinsamen Lösung nicht interessiert und vernachlässigten die Synergieeffekte, welche sich zweifelsfrei ergeben hätten.
Die neuen Ideen, das Vergangene, aber auch die Aussprachen und Beratungen führten zur Hauptforderung - der Loslösung der
Berufsfeuerwehr von der Polizei.
Zaghaft, aber immer sichtbarer, begann sich dieser Weg abzuzeichnen. Durch das
Ministerium des Innern wurden im Januar 1990 die militärischen Dienstgrade für die Angehörigen des Organs Feuerwehr
abgeschafft und durch feuerwehrtypische ersetzt. Nach den ersten freien Kommunalwahlen im Mai 1990 erfolgten die ersten
Gespräche über die zukünftige Gestaltung des Brandschutzes in der Stadt Halberstadt mit dem Bürgermeister Mathias Gabriel.
Im Ergebnis erfolgte die Übernahme von 23 hauptberuflichen Wehrmännern durch die Stadt Halberstadt. Bürgermeister Gabriel
übernahm symbolisch in einer kurzen Feierstunde die Angehörigen der Wache und wünschte ihnen für die verantwortungsvollen
Aufgaben viel Erfolg. Zum Leiter des neu gebildeten Brandschutzamtes wurde Harald Böer bestellt. Er war federführend an der
Erarbeitung eines Brandschutzkonzeptes für die Stadt Halberstadt beteiligt.
Weiterhin galt es, die beruflichen und die
freiwilligen Feuerwehrkräfte zu einer Feuerwehr zusammenzuführen. Satzungen, Dienstanweisungen und Ausrückbestimmungen
mussten erarbeitet und beschlossen werden.
An dieser Stelle währe einzuflechten, dass die freiwilligen Angehörigen der
Feuerwehr auch in der Umbruchszeit ihren Mann gestanden und damit viel zur Gewährleistung der Brandsicherheit in der Stadt
beigetragen haben. Nach einem starken Abgang von Kameraden insbesondere durch Wegzug, hat sich nunmehr der Personalbestand
wieder gefestigt. Mit dem Stadtkommando der Freiwilligen Feuerwehr ist ein Beratergremium geschaffen worden, in dem alle
Abteilungen der Feuerwehr und die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung vertreten sind.
Mit der Eingemeindung von
Emersleben (1995) und Klein Quenstedt (1996) bestehen zwei weitere Ortsfeuerwehren, welche im Bedarfsfall das
Hilfeleistungspotenzial für die Stadt bilden.
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| Die Feuer- und Umweltwache Halberstadt heute. |
Am 22. November 1997 erfolgte der erste Spatenstich für den Um- und Ausbau der Feuer- und Umweltwache in Halberstadt am alten
Standort, Am Breiten Tor 2.
Trotz der Baumaßnahmen wurde der laufenden Betrieb der Wache und die uneingeschränkte
Einsatzbereit jederzeit gewährleistet. Die Feuerwehrangehörigen legten kräftig mit Hand an und leisteten viele unbezahlte
Stunden. Das was geschaffen wurde ist funktionelle und entspricht dem heutigen Standart für Feuerwehrhäuser. In den
Bereichen Funk-, Geräte-, Atemschutz- und Feuerlöscherwerkstatt führen die hauptberuflichen Mitarbeiter Reparatur- und
Wartungsarbeiten an der Feuerwehrtechnik aus. Auch alle Fahrzeuge und Anhängegeräte der Feuerwehr Halberstadt werden durch
sie Instand gehalten und gewartet. Das hilft Kosten sparen und unterstützt die Ausbildung an der immer komplizierter
werdenden Feuerwehrtechnik.
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| Kindergartenführung durch Hauptbrandmeister Frank Poerschke. |
"Vorbeugen ist besser als Löschen", dieser alte Grundsatz hat nach wie vor seine Bedeutung
und wird bei der Feuerwehr sehr ernst genommen. Ob bei der Mitwirkung im Baugenehmigungsverfahren oder der
Brandverhütungsschau, bei der Erziehung der Kinder und Jugendlichen zum brandschutzgerechtem Verhalten oder der
Erwachsenenqualifizierung auf dem Gebiet des vorbeugenden Brandschutzes, der Bereich vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz
sowie Öffentlichkeitsarbeit stellt sich jeder Aufgabe.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform Sachsen-Anhalt wurden die Orte
Aspenstedt, Athenstedt, Langenstein, Mahndorf, Sargstedt und Ströbeck in die Stadt Halberstadt eingemeindet womit auch die
Ortsfeuerwehren dieser Orte zur Feuerwehr Halberstadt gehören.